Geldwert - Wie viel verdiente Mozart wirklich?

Hin und wieder begegnen uns auch bei Familienforschungen alte Rechnungen, Lohnzettel oder Hinweise auf Vermögenswerte. Vielleicht wissen wir, wieviel Gulden ein Vorfahre für einen Acker auf den Tisch legen musste oder wie hoch die Ausgaben für ein Hochzeitsfest waren. Doch meist können wir mit den angegebenen Summen wenig anfangen. Wir können kaum ermessen, wie lange jemand dafür gearbeitet oder gespart hat. Es ist von Gulden, Kreuzern, Talern oder Pfennigen die Rede und wir haben heute keine Vorstellung mehr von der Kaufkraft. Zudem gibt es zum Teil gewaltige regionale Unterschiede des Wertes der Münzen.
Während der Reichstaler als Währungseinheit von ¾ des gemünzten Reichstalers eine europäische Karriere machte, entwickelte sich der Gulden uneinheitlich in Europas Währungssystemen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick für das frühe 18. Jahrhundert – Bewertungen konkurrierender europäischer Gulden gegenüber dem Reichsgulden: 3 Reichsgulden = 5 Niederländische Gulden, 2 Reichsgulden = 1 Polnischer Gulden, 6 Reichsgulden = 43 Genfer Gulden.

Immer noch sagt uns das sehr wenig. Um eine Vorstellung vom Wert zu bekommen müssten wir etwa den Stundenlohn eines Handwerkers berücksichtigen und dann errechnen, wie lange er für eine bestimmte Summe arbeiten musste.

Nach neueren Forschungen war Mozart kein armer Musiker, sondern ein Großverdiener, der Unsummen für seinen beinahe schon aristokratischen Lebensstil ausgab. Wissenschafter untersuchten genau die finanziellen Verhältnisse des Genies vor allem aus seinen Wiener Jahren zwischen 1781 und 1791.
Das Ergebnis: Er war doppelt so reich wie man bisher wusste. Er hatte in dieser Zeit ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 5000 Gulden. Zum Vergleich: Joseph Haydn habe bis 1790 ein Jahresgehalt von 2000 Gulden bekommen, ein Universitätsprofessor 300, ein Schulmeister 22 und Mozarts Dienstmädchen gar nur 12 Gulden, schreibt Günther G. Bauer in seinem Buch "Mozart. Geld, Ruhm und Ehre" (2009)
Mit solchen und ähnlichen Informationen können auch Familienchronisten sehr gut arbeiten.

Auszug aus der Buchbesprechung auf bazonline.ch:
Bauer kam bei seinen Recherchen ein Zufall zu Hilfe: Vor fünf Jahren stolperte er über eine «Rechnungstafel für Beamte», die detailliert die Kosten für ein standesgemässes Leben in Wien 1788 auflistete. Diese übertrugen er und sein Team auf Mozart und berechneten, wie viel Mozart für Wohnungen, Instrumente, Möbel, exquisite Kleider oder seine Reisen ausgegeben hat. Auch Kosten für Kleinigkeiten wie Kerzen, tägliche Kutschenfahrten, Notenpapier, Briefpapier wurden berücksichtigt. Und diverse Preislisten, darunter die des Schneiders und des Weinhändlers, die beide in Mozarts Haus ihr Geschäft hatten: «Ich weiss genau, was Mozart für eine Flasche Champagner bezahlen musste, für eine Flasche Tokajer und für einen Krug Bier.» Für Trinkgelage gab der Komponist immerhin 17 Prozent seines Geldes aus. So entpuppte sich beispielsweise auch die laut Bauer bis dato «billige armselige Vorstadtwohnung», in der unter anderem die Jupiter-Symphonie entstand, als komfortable Siebenzimmerwohnung mit zusätzlichem Stall für zwei Pferde.

Also bestimmt nicht nur für Fans des großen Salzburgers ein lohnendes Werk.

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