Salzburger in Ostpreußen



Die Märkische Oderzeitung berichtet über Aktivitäten von Nachkommen von im 18. Jahrhundert aus dem Salzburgischen vertriebenen Protestanten.
Mitglieder der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Salzburger Vereins verbrachten jetzt einen Tag in Müncheberg. 1732/1733 durchquerte ein Teil
ihrer Vorfahren die Stadt auf dem Weg nach Ostpreußen.

Auch die Vorfahren des 59-jährigen Hoteliers aus Müncheberg Michael Schober gehörten zu jenen mehr als 20 000enschen, die ihre Heimat verlassen mussten, wenn sie ihrem evangelisch-lutherischen Glauben treu bleiben wollten.

Friedrich Wilhelm I. der preussische König bot ihnen an, sich in der damaligen "lithauischen Provinz" in Ostpreußen anzusiedeln. So nahmen sie den anstrengenden (Fuß-)Marsch in die etwa 2000 Kilometer entfernte neue Heimat an. Einige Salzburger folgten damals übrigens auch der Einladung von Georg II., der Großbritannien regierte und aus dem Welfenhaus stammend zugleich Kurfürst von Hannover war. Sie mussten ins amerikanische Georgia freilich einen noch viel längeren Weg zurücklegen.

Zwischen dem 19. August 1732 und dem 22. Oktober 1733 waren insgesamt 2375 Emigranten aus Gastein, Goldegg, Radstadt, Rauris, Saalfelden, St. Johann, Taxenbach, Wagrain und Werfen in sechs Zügen durch die Stadt gekommen. Hinweise dazu seien auch in alten Kirchenbüchern zu finden, berichtet Michael Schober. Ob möglicherweise eigene Vorfahren durch Müncheberg gezogen sind, hat er bisher allerdings noch nicht herausgefunden. Alle neuen Erkenntnisse zur Familiengeschichte trägt er nun aber auch für Kinder und Enkelkinder zusammen.

Die Salzburger hätten bereits in ihrer neuen Heimat untereinander Kontakt gehalten. "Gumbinnen war ihr Hauptort. Meine Familie war allerdings jenseits der Memel gelandet." Der Salzburger Verein ist 1954 in Bielefeld neu gegründet worden. Mit Vormarsch der russischen Armee im Zweiten Weltkrieg waren 1944/45 viele Familien gen Westen geflüchtet, wer geblieben war, wurde oft später noch vertrieben. So seien die Salzburger ein zweites Mal in alle Himmelsrichtungen verstreut worden. "Durch Kinder und Kindeskinder werden es ja immer mehr", sagt Michael Schober, der im Verein jedoch eher einer der Jüngeren ist.

Bruno Berger dankte im Namen aller ebenfalls Pfarrer Dieter Johst für die eindrucksvolle Andacht in St. Marien und Bürgermeisterin Uta Barkusky für den Empfang im Rathaus. Auch dies ging auf eine historische Überlieferung zurück. Darin heißt es zum 8. Oktober 1732: Bürgermeister Niethe speist 50 Personen.

Michael Schober weiß inzwischen allerdings auch, dass Spenden für die Salzburger andernorts zweckentfremdet wurden: "Die Dresdner haben damit zum Teil ihre Frauenkirche finanziert." In der aktuellen Ausgabe des vierteljährlichen Vereinsblatts "Der Salzburger" sei zu dem Thema ein weiterführender Beitrag zu finden. Auf eine eigene Nachfrage zur Familiengeschichte in einer früheren Ausgabe hat Michael Schober inzwischen erste Antworten erhalten. Und mit seiner Frau denkt er auch darüber nach, sich im nächsten Frühjahr mal intensiver im Salzburger Land umzuschauen.

Bild: Blick ins Salzburgische (c) literelle

1 Kommentar:

  1. Guten Tag,
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