Ahnenforschung Schweiz Anleitungsbuch von einem Archivkundler

Der Schweizer Archivar Leonardo Broillet, stellvertretender Kantonsarchivar in Freiburg, verfasste einen praktischen Leitfaden für Ahnenforscher unter dem Titel "Mes aïeux! Guide de recherches généalogiques et biographiques aux Archives de l’Etat de Fribourg" (148 Seiten). Es liegt (bisher) allerdings leider nur auf Franzöisch vor.
In einem Interview mit swissinfo.ch gibt er auch ein wenig Einblick in die aktuelle Ahnenforschung in der Schweiz. Denn auch bei den Eidgenossen erfreut sich die Ahnenforschung zunehmender Beliebtheit. Hier einige Auszüge daraus, nachzulesen auf swissinfo
swissinfo.ch: In der Schweizer Ahnenforschung kommt man nicht um das Jahr 1876 herum…
Leonardo Broillet: Tatsächlich, denn in jenem Jahr verordnete der Bundesstaat den Kantonen die Führung von Zivilstandsregistern. Dort sind Geburt, Heirat und Tod aller Bürgerinnen und Bürger verzeichnet.

Die Register sind aber nicht öffentlich. Im Kanton Freiburg unterliegt das Register laut Gesetz für 120 Jahre dem Datenschutz. Deshalb fallen Forschungen anhand der Zivilstandsregistern praktisch weg.

Den Genealogen bleiben aber die Kirchenregister, sozusagen die Zivilstandsregister der Kirchen. Vereinzelt bereits im 16. Jahrhundert beginnend, sind sie bis 1900 die wichtigste Quelle für Ahnenforscher.

Kirchenregister sind also die Hauptquellen, ihre Qualität ist allerdings unterschiedlich und hängt von der Gewissenhaftigkeit und auch dem Bildungsstand des Pfarrers ab. Um herauszufinden, wann eine Person geboren wurde, starb oder heiratete sind diese Register allerdings, soferne sie erhalten sind, unabdingbar. Zusätzliche biografische Daten wie Einkommen, Grundbesitz und ähnliches findet man in Sekundärquellen wie Steuerverzeichnissen oder Grundstücksurkunden.

swissinfo.ch: Wie muss der Familienforscher in den Archiven vorgehen?
L. B. : Er muss sich vorbereiten und einige Daten mitbringen. Je genauer diese sind, desto besser kann man sich danach den Quellen annähern.

Dazu ist es notwendig, dass man sich über die Familie kundig macht, am besten anhand von Familienbüchlein, Briefen und beglaubigten Akten. Das Ziel ist die Rückverfolgung der Ahnen über die letzten 100 oder 120 Jahre.

Ist dies nicht möglich, führt nichts am Zivilstandsregister vorbei. Zwar kann man dies nicht einsehen, aber auf Verlangen kann man Akten der Vorfahren erhalten.

swissinfo.ch: In den Archiven muss man recherchieren, eine Vielzahl von Akten studieren, alte Schriften entziffern etc. Dazu braucht man viel Zeit.
L. B. : Richtig. Es hängt aber auch davon ab, wonach man sucht. Will man lediglich einige Generationen zurück verfolgen, reichen einige Tage. Wer aber weiter in die Vergangenheit gehen will und alle Personen desselben Namens in Verbindung bringen, braucht Monate.


Die Anleitung ist im wesentlichen allgemein gehalten und nicht nur für Freiburger hilfreich, sondern richtet sich an alle Schweizer.

Abschließend nennt der Absolvent von mittelalterlicher Geschichte an der Universität Mailand einige Gründe für das zunehmende Interesse an Ahnenforschung.

swissinfo.ch: Was sagt die Begeisterung für die Ahnenforschung über die Gesellschaft aus?
L. B. : Das Interesse gründet teilweise darauf, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich wandelt und nach mehr fixen Bezugspunkten verlangt. Die Menschen leben nicht mehr im Dorf ihrer Vorfahren, sie wissen kaum mehr, woher sie stammen.

Es gibt ein Bedürfnis, die eigenen Wurzeln wieder zu finden und sich auf festen Boden setzen zu können. Dies, obwohl man mobil ist, die Eltern geschieden sind und man die Grosseltern nicht oder kaum mehr gekannt hat.

Olivier Pauchard, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Kuenzi)


Das Buch gliedert sich in drei Teile: eine generelle Einführung in die Ahnenforschung und Quellenkunde, Suche in Archiven nach Quellen und schließlich hält Broillet im dritten Teil praktische Übungen, etwa das Entziffern einer alten Handschrift bereit. Erhältlich wohl über die Societé d'Histoire du Canton de Fribourg. Leider konnte ich es bei einem Online-Buchhändler noch nicht auftreiben.

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