Ahnenforschung und Internet III Passagierlisten Ellis Island


Wer kennt sie nicht, jene Symbolfigur amerikanischer Einwanderer, die vor den Toren New Yorks die Fackel der Freiheit in den Himmel hebt? Die Freiheitsstatue auf Liberty Island, einer unbewohnten Insel nahe der Mündung des Hudson River war der Gruß der Neuen Welt an die Emigranten und für viele Menschen die Statue ihrer Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte.

Die Schiffe landeten nebenan auf Ellis Island. Dort befand sich der Sitz der Einwanderungsbehörde für den Staat und die Stadt New York.
Über sie kamen zwischen 1892 und 1954 etwa 12 Millionen Einwanderer an und wurden abgefertigt. Sie wird seit dem 11. Mai 1965 zusammen mit der Freiheitsstatue als Teil des Statue of Liberty National Monument als Gedenkstätte vom Typ eines National Monuments durch den National Park Service verwaltet. Seit 1990 ist die Insel als Museum zur Geschichte der Einwanderung in die Vereinigten Staaten für die Öffentlichkeit zugänglich.

The American Family Immigration History Center® (AFIHC), das historische Familienimmigrationszentrum Amerikas startete im Jahre 2001 ein www-Projekt mit dem sie die rund 25 Millionen Einwanderungsakten der Ellis Island Archive der Öffentlichkeit zugänglich macht. 40 Prozent aller Amerikaner heute sollen zumindest einen Ahnen haben, der unter jenen mutigen und tapferen Einwanderern gewesen ist.
Passagierlisten geben Auskunft über die Herkunft jener Menschen und manche Dokumente verraten etwas über die Überfahrt, die Motive der Ausreise und den Willen der Auswanderer, ein besseres Leben für sich und ihre Nachkommen zu beginnen und gestalten.

Ein Blick in die Archive von AFIHC kann sich vor allem lohnen, wenn Sie auf der Suche nach einem Verwandten sind, der sich auf die weite Reise in die Neue Welt machte oder wenn Sie bei Recherchen zu einem Großonkel oder einer Großtante stecken geblieben sind.

http://www.ellisisland.org/

Bild: wikipedia, Freiheitsstatue im Jahr 1909, umflogen von Wilbur Wright

Biografien im Internet - Biografie Portal

Wissenschaftlich fundierte Recherchemöglichkeit bietet das Biografie-Portal mit der Adresse http://www.biographie-portal.eu/, das vier große deutschsprachige Printlexika vernetzt, das Österreichische Biographische Lexikon ÖBL, die Neue und die Allgemeine Deutsche Biographie NDB,ADB, und das Historische Lexikon der Schweiz HLS.
Die NDB und das Schweizer Lexikon reichen bis in die jüngste Gegenwart - und somit gehört zu den aktuelleren Beiträgen bspw. der Meeresforscher Jacques Piccard, der u.a. mit einem selbstkonstruierten U-Boot zum Mariannengraben getaucht war. Die schweizer Daten wurden kürzlich um französische und italienische Biografien erweitert. Das österreichische Nachschlagwerk ist auf den Zeitraum von 1815-1950 beschränkt.
Die online-Suche erlaubt nicht nur die Abfrage von Nachnamen oder die Suche nach Geburtsjahren und Sterbedaten, sondern ermöglicht auch die Suche nach speziellen Berufsgruppen und Funktionen - egal ob Pianistin, Priester, Pferdezüchter. Insgesamt liefert das Portal etwa 120.000 Biografien, die online abrufbar sind. Ein Blick in dieses Portal lohnt sich unter Umständen, auch wenn man meint, aus der eigenen Familie wohl niemanden darin zu finden. Es könnte aber sein, dass Vorgesetzte, Lehrherren, Kollegen, Bekannte oder Nachbarn der Vorfahren in einem dieser Lexika aufgeführt sind.
Erklärtes Ziel des Portals ist es, verlässliche wissenschaftlich fundierte Angaben zu verstorbenen Personen im Internet für jeden frei zugänglich zu bieten.
"Bei der Auswahl der Lemmata", schreibt die Akademie der Wissenschaften Österreichs, "ist es ein wesentliches Anliegen, auch jene Persönlichkeiten zu berücksichtigen, die nicht im Vordergrund des allgemeinen historischen Bewußtseins stehen und oft sogar in Speziallexika vergeblich gesucht werden." Lebende Persönlichkeiten werden allerdings nicht erfasst.

Die neuen Genealogen


Fernab vom Klischee des kauzig-ältlichen "Genealogen", den Archivare früher an solchen Merkmalen erkannten: "Männlich, bereits im Ruhestand, politisch eher rechts, nicht selten auf der Suche nach einem 'Adeligen' in der eigenen, meist bescheidenen Familiengeschichte und
vor allem Zeit raubend", sind moderne Genealogen und Ahnenforscherinnen nicht selten aus ganz anderem Garn gestrickt, wie Historikern und Archivarinnen auffällt.
 
Elisabeth Timm ist Kulturwissenschafterin und beschäftigte sich in den letzten Jahren im Rahmen ihrer Habilitation intensiv mit Familienforschung. Zur Zeit arbeitet sie am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien und berichtet von einem steigenden gegenwärtigen "starken
Andrang" beim Thema Familienherkunft und Genealogie. Steigende Archiv-Nutzerzahlen, prosperierende Mitgliedschaften in entsprechenden Vereinen vor allem aber diesbezügliche genutzte Web 2.0-Applikationen zeigen, dass die Frage "Wo komme ich her?" längst ihre sozialkonservative Note verloren und einer neuen, offenen, neugierigen Zugehensweise Platz gemacht hat.

In Wien wurde übrigens 1870 der zweitälteste genealogische Verein gegründet, die "Heraldisch-Genealogische Gesellschaft Adler", die bis heute besteht.
Die Gründe zum detektivischen Forschen junger Menschen nach ihrer Herkunft ("heritage" im Englischen, wo dieser Trend ebenfalls zu beobachten ist) sind unterschiedlich, vor allem aber individuell. So manchen erinnert die damit verbundene Reisetätigkeit gar an Helden moderner Romane, die die halbe Welt auf der Jagd nach Codes und deren Entschlüsselung bereisen.

Todesfälle, gehütete Familiengeheimnisse und natürlich auch das Älterwerden finden sich häufig als Motive. Für Timm, die aus Zeitgründen selbst noch keine entsprechende Familienreise ins 19. oder 18. Jahrhundert unternommen hat, leisten die Familienbäumepflanzer der Geschichtswissenschaft wichtige Arbeit. Nicht zuletzt aufgrund technischer PC-Möglichkeiten konnten sie bereits so manches Archiv für sich gewinnen. Der Grund: Liegen gebliebene Aktenberge werden datenmäßig bei der eigenen Familien-Recherche erfasst und fließen in den Wissensbestand des jeweiligen Archivs zurück. Im Idealfall ergibt sich also eine Win-win-Situation für akademische Wissenschaft und die suchende Laien-Community, die ihre Ergebnisse in die Datenbanken tippt.

Am kommenden Montag hält Timm einen Vortrag. Die Spannbreite der Genealogie macht sie am Beispiel der "steirischen Volksgenealogie" fest. Den zweiten Teil des Vortrages widmet die 40jährige Wissenschaftlerin dem gegenwärtigen "Woher komme ich?"-Boom im Internet.

Aus den "Käuzen mit fragwürdigen Motiven" früherer Tage ist eine Bewegung geworden, die sich nicht nur selbst Hilfestellung gibt, sondern auch Quellenkunde vermittelt. Wollte man früher "seinen Adeligen" im
mühsam zusammen getragenen Familienstammbaum finden, geht es heute oftmals ums Kennenlernen von "über drei Ecken miteinander verwandten" Fremden. Es erinnert ein wenig an Facebook, nur deutlich gehaltvoller und aufwendiger.

Vortrag von Elisabeth Timm "Entgrenzte Genealogien -Verwandtschaft-Machen zwischen populärer Praxis und Techniken der Biomacht seit dem 19. Jahrhundert", IFK (Wien 1., Reichsratstrasse 17),

Termin: 9. November; Beginn: 18.00 Uhr, Freier Eintritt
Infos auch unter: http://www.ifk.ac.at/ ; http://www.adler-wien.at/.

Quelle

Fotos: Symbolbilder

Ahnenforschung - primäre und sekundäre Quellen


Ahnenforscher unterscheiden zwischen primären und sekundären Informationen. Primäre Quellen sind jene, die während des Ereignisses aufgezeichnet wurden und sind aus diesem Grund mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit korrekt. Beispiele primärer Informationsquellen sind Urkunden, Dokumente, vor allem Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden, aber auch Gerichtsakten, institutionelle Aufzeichnungen wie Zeugnisse, Testamente und Grundbücher um nur einige zu nennen.
Sekundäre Quellen werden einige Zeit nach dem Ereignis erstellt, sie basieren auf mündlicher Überlieferung, auf Berichten über Ereignisse in lokalen Journalen, auch Lokalgeschichte gehört dazu. Ein Beispiel dazu, wie man diese Berichte im Zeitalter des Internets für die eigene Ahnenforschung nützen kann, findet sich auf der Webseite der Feuerwehr Schladming, die dort auch historische Berichte über ihre Tätigkeit veröffentlicht hat. Aus diesem Archiv lässt sich nicht nur ersehen, wann etwa Hochwasserkatastrophen oder Brände bestimmte Gebäude oder Familien bedrohten, es werden auch Namen der Helfer genannt, die sich auszeichneten, und es gibt sogar einen Augenzeugenbericht aus dem Jahr 1899. Juristisch besonders bedeutende Quellen sind Augenzeugenberichte dann, wenn sie vor Gericht eidesstattlich abgegeben wurden. Aber auch ohne diese juristische Bedeutung sind Augenzeugenberichte für spätere Generationen von Forschern überaus wertvolle Dokumente.

Sterbeurkunden enthalten sowohl viel primäre, als auch sekundäre  Informationen,  nicht nur den Namen, das Geburts- und Sterbedatum, sondern auch die Todesursache und Geburts- und Sterbeort des Verstorbenen. Außerdem sind in der Regel die Namen der Eltern, sowie, in Österreich jedenfalls, deren jeweiliger letzter Wohnort angegeben und darüber hinaus Daten über zumindest die letzte Eheschließung des oder der Verstorbenen samt zuständigem Pfarr- oder Standesamt. Primäre Informationen in Sterbeurkunden sind also jene, die das Ereignis des Todes betreffen, da sie zu diesem Zeitpunkt aufgezeichnet werden, sekundär sind alle anderen Informationen über die Eltern und die Eheschließung beispielsweise, aber auch die Geburtsdaten gelten hier als sekundär. Außerdem enthalten Sterbeurkunden auch Daten über denjenigen, der den Tod bekannt gegeben hat und die Eintragung ins Sterberegister veranlasste. Dies kann eine Institution sein, ein Krankenhaus zum Beispiel, oder ein Angehöriger. Man sollte dabei im Auge behalten, dass Menschen, die den Tod eines Angehörigen anzeigen müssen, unter großem Stress stehen, daher können bei den Sekundärinformationen lückenhafte oder sogar fehlerhafte Angaben nicht ausgeschlossen werden.

Ahnenforscher und Genealogen sollten immer alle Informationen, die sie auf der Sterbeurkunde oder im Sterberegister finden, aufzeichnen und die sekundären Informationen verifizieren. Unbedingt notiert werden sollte die Quelle mit der genauen Fundangabe, Buch- und Eintragsnummer.


Es ist von Land zu Land, oft sogar von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich, ab wann Sterberegister geführt wurden. Hier ein Beispiel eines Sterberegisters aus dem Jahre 1741 für Moringen in Deutschland, Sekundärangaben fehlen hier aber noch. Leider ist eine derartig umfassende Aufarbeitung der Register und Matrikeln in digitalisierter Form und im Internet noch recht selten.
Wichtig ist, dass die Sterbeurkunde immer in jenem Bezirk aufgezeichnet wird, in dem die Person verstarb, das kann, muss aber nicht der Ort sein, wo die Person lebte. Wenn man also keine Sterbeurkunde in dem Wohnort findet, sollte man auch benachbarte Register durchforsten.

Noch eine Anmerkung: für die Zwecke der Genealogie ist es nicht notwendig, die Urkunde beglaubigen zu lassen. In den meisten Fällen reicht eine einfache Fotokopie des Eintrages vollkommen aus. Wenn Sie sich an eine Behörde wenden und um Zusendung von Daten bitten, vergessen Sie nicht, Geld oder Briefmarken und ein bereits adressiertes Antwortkuvert beizulegen. Am besten Sie erkundigen sich bei der Behörde über die Kosten und erwähnen, dass Sie keine Beglaubigung, die recht teuer werden kann, brauchen.

Eine wichtige Quelle für österreichische Familienforscher ist das österreichische Staatsarchiv, das über die Überreichung einiger wertvoller Matrikenbände vor einiger Zeit berichtet: http://www.bka.gv.at/site/cob__28985/5164/default.aspx