Martin Luther im Stammbaum?


Am 31. Oktober feiern Evangelische den Reformationstag. Nach der Überlieferung hat an diesem Tag des Jahres 1517 Martin Luther die 95 Thesen an das Kirchentor von Wittenberg geschlagen und so gegen bestimmte Verfahren der Kirche protestiert. Vermutlich ahnte er damals noch nicht, dass er damit die Welt verändern sollte.
Der Reformator trug damals noch Tonsur und Kutte und lehrte als Theologieprofessor an der Universität. Mehr über den Reformator auf Wikipedia.

Luther, der Rebell, im nebenstehenden Bild von Lucas Cranach als "Junker Jörg" porträtiert, wandte sich schließlich vollkommen von der katholischen Kirche ab und gründete später sogar eine Familie. Mit Katharina von Bora hatte er 6 Kinder.

Wer heute nach dem Namen Luther in Deutschland sucht, wird auch sogleich fündig. Eine Suche auf http://www.verwandt.de/ bringt folgendes Ergebnis: In Deutschland gibt es 2463 Telefonbucheinträge zum Namen Luther und damit ca. 6568 Personen mit diesem Namen. Diese leben in 361 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in Berlin gemeldet, nämlich 132.

Aber, wie die Märkische Allgemeine über die Träger des Namens und ihre Beziehung zu ihrem Stammbaum berichtet, nicht alle haben Interesse an der Verwandtschaft mit dem Reformator. Obwohl er immerhin in der allerengsten Auswahl als "Mensch des Jahrtausends" war. (Diese Wahl zur Jahrtausendwende gewann dann letztlich ein anderer Deutscher: Johannes Gutenberg.)

Manche der befragten Namensvettern des Gelehrten verbinden aber gar nichts mit dem Namen und sind auch nicht religiös, anderen fehlt die Zeit, ernsthaft Ahnenforschung zu betreiben. Übrigens gilt Martin Luther auch als einer der Begründer des literarischen Deutsch und wird von Sprachstilisten seiner genialen Bibelübersetzung (für die er in Gefangenschaft als "Junker Jörg" 11 Wochen benötigte) sowie seiner Liedertexte wegen sehr geschätzt. Auch als Musiker von Kirchenliedern setzte er Akzente.

Allerdings sind die Aussichten auf eine direkte Nachkommenschaft mit Martin Luther und Katharina von Bora sehr, sehr gering. Wie die Märkische Allgemeine schreibt, kann  Henriette Rossner-Sauerbier den Hobby-Familienforschern keine Hoffnung machen. Sie ist Vorsitzende der Lutheriden, einer Vereinigung von Nachkommen und Seitenverwandten Luthers. „Jeder, der heute Luther heißt, stammt nicht direkt von ihm ab“, sagt sie. So starb der letzte direkte männliche Nachkomme des Reformators bereits 1749. Von den sechs Kindern von Martin Luther und Katharina von Bora bekamen nur zwei Nachwuchs. „Wahrscheinlicher ist, dass die Luther-Namensträger von Martins Geschwistern oder Cousins des Thesenschreibers abstammen.“

Bild (c) siehe Wikipedia

Über Ahnenforschung zu neuer These über Varusschlacht

Das Feld der legendären "Schlacht am Teutoburger Wald" wird an zahlreichen verschiedenen Orten vermutet, etwa 700 Plätze sind es, die dafür in Betracht gezogen werden. Vor rund 2000 Jahren besiegten die Germanen die Römer unter Varus, doch ging im Lauf der Jahrtausende das Wissen um den genauen Ort der Schlacht verloren. Nun fand ein Hobbyarchäologe über die eigene Ahnenforschung zu einer neuen Theorie über den geheimnisvollen Platz, den er im Hochsauerlandkreis vermutet. Dort wuchs er auf und über die Spuren seiner Ahnen fand er einen weiteren möglichen Ort des Geschehens.
Bild (c) wz-newsline.de

Ahnenforschung Anleitung zur Ahnenforschung in der Österreichischen Nationalbibliothek

Unter den mehr als 4.000 Bücherei-Veranstaltungen von 19. bis 25. Oktober in ganz Österreich befinden sich drei Termine, die für Genealogen interessant sind. Leider ist die Teilnehmerzahl beschränkt, eine rasche Anmeldung ist daher erforderlich. Hier ist der direkte Link zu den Veranstaltungen.

Die Hauptseite mit den Angeboten und näheren Hinweisen zu allen Veranstaltungen : http://www.oesterreichliest.at/

Biografie Wettbewerb Verfilmung Ihres Lebens zu gewinnen


Bis zum 28. Februar 2010 können Sie Biografie-Skizzen einsenden – zu gewinnen gibt es die Verfilmung der Biografien. Der Biografie-Wettbewerb will darauf hinweisen, dass auch das Leben von Normalbürgern dokumentierenswert ist. Er wird unterstützt vom Deutschen Historischen Museum, von Generali Zukunftsfonds und von ZEIT Geschichte.

Der Biografie-Wettbewerb „Was für ein Leben!“ ist ein nicht kommerzieller Wettbewerb. Sein Ziel ist, zu zeigen, dass auch das Leben von nicht-prominenten Menschen dokumentierenswert ist: sei es als Dokument der Zeitgeschichte oder weil andere aus der Persönlichkeitsentwicklung oder dem Engagement dieser Menschen lernen können. Der Preis für die Gewinner ist die dokumentarische Verfilmung ihrer Lebensgeschichte.
Eine Jury wird im März 2010 die bemerkenswertesten Lebensgeschichten küren. Diese Biografien werden dokumentarisch verfilmt und im Kino aufgeführt. Es gibt in jeder der drei Kategorien: Zeitzeuge, Persönlichkeit und Engagement je einen Gewinner. Alle Lebensgeschichten werden während des Wettbewerbs im Internet nachzulesen sein und im DHM archiviert.
Die Antragstellung ist recht einfach gestaltet. Lohnenswert kann es auf jeden Fall sein, wenn man die Gelegenheit nützt, ein wenig über das eigene oder das Leben eines interessanten Menschen in der Nähe nachzudenken und die ersten Aufzeichnungen darüber niederschreibt.

Zur Eröffnungsfeier befragte der Chefredakteur von ZEIT Geschichte, Christian Staas, den Musiker Peter Maffay zu seiner Biografie, vor allem zu seiner Kindheit in Rumänien. “Wir hatten keine Bilder vom Westen", sagte Maffay. "Wir standen als Kinder vor einem Hotel herum und versuchten Kaugummis zu ergattern. Und wenn wir nur eine leere Verpackung bekamen, dann rochen wir daran, das war für uns der Duft des Westens“. Peter Maffay unterstützt den Biografie-Wettbewerb, weil er Zeitzeugenberichte für die nächste Generation wichtig findet.

Ein Tipp: speichern Sie das Formular auf Ihrem Computer, füllen Sie die Fragen in Ruhe offline in einem Textprogramm (Word zum Beispiel) aus und speichern Sie diese Datei für sich selbst, bevor Sie sie absenden. Es kann ein guter Anstoß sein, sich näher mit der Biografie zu beschäftigen und selbst wenn Sie die Verfilmung nicht gewinnen sollten, können Sie diese Unterlagen später nützen, um Ihr eigenes Projekt daraus zu machen.

Die Teilnahmeformulare sind über http://www.was-fuer-ein-leben.de/index.html auszufüllen oder können gegen eine Bearbeitungsgebühr beim Wettbewerbsbüro angefordert werden.

Bild (c) http://www.literelle.com/ Die Biografie Werkstatt

Michelle Obamas Familiengeschichte veröffentlicht


Der ältere Master eines Anwesens in South Carolina nahm 1850 einen Stift in die Hand und teilte seinen Besitz unter den Erben penibel auf. Darunter befanden sich Spinnräder, Sensen, Tischdecken, Rinder und ein 6 Jahre altes Mädchen im Wert von 475 Dollar. Er vermachte sie entfernt wohnenden Verwandten.
In seinem Letzten Willen wird Sie einfach als das "Negermädchen Melvinia." beschrieben. Nach seinem Tod wurde Melivina aus ihrer vertrauen Umgebung gerissen und nach Georgia gebracht, weg von den Menschen und der Umgebung, die sie kannte. Unter Umständen, die im Lauf der Zeit vergessen wurden, gebar sie als Teenager einem Weißen ihren ersten Sohn.
Eine alltägliche Geschichte aus jenen Tagen, die nicht sonderlich aus all den anderen Sklavenschiksalen herausragen würde, repräsentierte sie nicht den Ursprung einer Familie, die aus den ländlichen Gebieten von Georgia, Birmingham, Alabama über Chicago schließlich ins Weiße Haus einziehen würde.

Melvinia Shields, die Sklavin, die nie lesen und schreiben lernen durfte und der unbekannte weiße Mann sind die Ur-ur-urgroßeltern der Michelle Obama, der First Lady.

Frau Obama wuchs auf mit nur einer vagen Ahnung ihrer Abstammung, wie Bekannte und Verwandte bestätigen. Während des Präsidentschaftswahlkampfes erfuhr die Familie von einem Ahnen, einem Sklaven aus South Carolina, aber der Rest von Frau Obamas Wurzeln blieb ein Rätsel.

Gemeinsam mit der New York Times deckte die Genealogin Megan Smolenyak nun die Hintergründe über die Gerüchte, die in der Familie über einen möglicherweise weißen Ahnen kursierten, auf.  Megan Smolenyak, die die Abstammung vieler prominenter Persönlichkeiten erforscht hat, begann mit ihren Forschungen zur Familie Michelle Obamas, als sie Anfang dieses Jahres einen Artikel in der New York Times veröffentlichte.
Unter den vielen Verwandten, die sie identifizierte, habe das Sklavenmädchen Melvinia am lautesten danach gerufen, gefunden zu werden, sagte sie.
Als ihr Besitzer, David Patterson, 1852 starb, fand sie sich bald darauf in einer seltsamen und unbekannten Welt auf der Farm seiner Tochter Christianne und seines Schwiegersohnes Henry Shields wieder, als nur eine von drei Sklaven, während es in South Carolina 21 gewesen waren.
Sie arbeitete auf dem Feld, erntete Weizen, Süßkartoffeln und Baumwolle und pflegte die 3 Pferde, 5 Kühe, 17 Schweine und 20 Schafe.
In diesem Milieu waren Vergewaltigungen eine alltägliche Erfahrung junger Sklavinnen. Wer Melvinia geschwängert haben könnte ist ungewiss. Henry Shields war zu dieser Zeit in seinen 40-ern und hatte vier Söhne um die 20. Aber auch andere Männer, die auf dem Bauernhof Zeit verbrachten kommen in Frage.
"Niemand sollte sich über die Anzahl der Vergewaltigungen und der sexuellen Ausbeutung, die unter Sklaverei stattfanden, wundern, es war eine alltägliche Erfahrung," sagte Jason A. Gillmer, ein Rechtsprofessor an der Wesleyan University in Texas, der die Verbindungen zwischen Besitzer und Sklaven erforscht hat. „Aber wir wissen, dass einige dieser Beziehungen sehr komplex sein können."
Bezeichnend für die Zeit ist wohl, dass Melvinia auch ihren nach ihrer Befreiung geborenen Kindern den Nachnamen "Shield" gab. Dies kann sowohl ein Hinweis auf die Vaterschaft sein. Aber auch nur aus der Gewohnheit resultieren, dass Sklaven den Nachnamen ihrer ehemaligen Herren annahmen.
Denn ein eigener war ihnen als Sklaven nicht zugestanden.
Zum Artikel in der New York Times
Bild (c) ebd. Michelle Obama und Ihre Mutter Marian Robinson.

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller über ihren biografischen Roman


Es ist entschieden! Zum zweiten Mal in 10 Jahren erhält ein deutscher Autor, in diesem Fall ist es eine Autorin, den Literaturnobelpreis! Herta Müller, die Geehrte, gab der FAZ ein Interview zu ihrem neuen Roman "Die Atemschaukel" in dem es um das Leben unter der rumänischen Diktatur geht. Viele Erfahrungen ihrer eigenen Mutter, die zu den damals Deportierten gehörte, konnte Müller in dieses Buch einbringen. "Es war eine finstere Zeit, in der man wegen jedem Dreck verhaftet werden konnte, und es war verboten, über die Deportation zu sprechen. Wer betroffen war, hat nur in Andeutungen gesprochen. Ich komme aus einem Bauernmilieu, da redet man ohnehin nicht über sich, und darum hat man dafür auch kein Vokabular. Aber meine Mutter erschien mir immer verstört", sagt sie.
Bemerkenswert ist die Auskunft, die sie über die Reaktion ihrer Mutter auf das Buch gibt. Auf die Frage, ob ihre Mutter "Die Atemschaukel" gelesen habe, antwortet Herta Müller: "Nein, meine Mutter ist eine einfache Frau. Wir reden nie darüber. Sie weiß, dass ich schreibe, aber wir haben eine andere Beziehung. Das Schweigen ist genauso eine Kraft wie das Erzählen. Es muss jeder für sich selbst bestimmen können, ob er im Schweigen seinen Halt findet oder im Erzählen."
Ein wunderbarer letzter Satz der Nobelpreisträgerin, nicht wahr?
Hier geht es zum Originalartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Hollywoodstar betreibt Ahnenforschung im TV









Aus New York erreicht uns folgende Meldung: Mit einer neuen Fernsehserie betreibt Lisa Kudrow, der "Friends"-Star Ahnenforschung. Die 45-jährige Schauspielerin möchte mit ihrer neuen Reality-Show die Familiengeschichten prominenter Kollegen und Kolleginnen erforschen

Die Sendung trägt den Titel «Who Do You Think You Are?» (etwa: Wer glaubst du, wer du bist?), berichtet die US-Tageszeitung «USA Today». Mit Hilfe von Historikern und Stammbaumforschern werden die Ahnen von Hollywood-Schauspielerinnen wie Susan Sarandon und Sarah Jessica Parker aufgestöbert. Weitere Promis für die sieben ersten Episoden stehen auf der Liste. Kudrow fungiert als Moderatorin. Die erste Folge läuft auf dem US-Sender NBC im Januar.

Salzburger in Ostpreußen



Die Märkische Oderzeitung berichtet über Aktivitäten von Nachkommen von im 18. Jahrhundert aus dem Salzburgischen vertriebenen Protestanten.
Mitglieder der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Salzburger Vereins verbrachten jetzt einen Tag in Müncheberg. 1732/1733 durchquerte ein Teil
ihrer Vorfahren die Stadt auf dem Weg nach Ostpreußen.

Auch die Vorfahren des 59-jährigen Hoteliers aus Müncheberg Michael Schober gehörten zu jenen mehr als 20 000enschen, die ihre Heimat verlassen mussten, wenn sie ihrem evangelisch-lutherischen Glauben treu bleiben wollten.

Friedrich Wilhelm I. der preussische König bot ihnen an, sich in der damaligen "lithauischen Provinz" in Ostpreußen anzusiedeln. So nahmen sie den anstrengenden (Fuß-)Marsch in die etwa 2000 Kilometer entfernte neue Heimat an. Einige Salzburger folgten damals übrigens auch der Einladung von Georg II., der Großbritannien regierte und aus dem Welfenhaus stammend zugleich Kurfürst von Hannover war. Sie mussten ins amerikanische Georgia freilich einen noch viel längeren Weg zurücklegen.

Zwischen dem 19. August 1732 und dem 22. Oktober 1733 waren insgesamt 2375 Emigranten aus Gastein, Goldegg, Radstadt, Rauris, Saalfelden, St. Johann, Taxenbach, Wagrain und Werfen in sechs Zügen durch die Stadt gekommen. Hinweise dazu seien auch in alten Kirchenbüchern zu finden, berichtet Michael Schober. Ob möglicherweise eigene Vorfahren durch Müncheberg gezogen sind, hat er bisher allerdings noch nicht herausgefunden. Alle neuen Erkenntnisse zur Familiengeschichte trägt er nun aber auch für Kinder und Enkelkinder zusammen.

Die Salzburger hätten bereits in ihrer neuen Heimat untereinander Kontakt gehalten. "Gumbinnen war ihr Hauptort. Meine Familie war allerdings jenseits der Memel gelandet." Der Salzburger Verein ist 1954 in Bielefeld neu gegründet worden. Mit Vormarsch der russischen Armee im Zweiten Weltkrieg waren 1944/45 viele Familien gen Westen geflüchtet, wer geblieben war, wurde oft später noch vertrieben. So seien die Salzburger ein zweites Mal in alle Himmelsrichtungen verstreut worden. "Durch Kinder und Kindeskinder werden es ja immer mehr", sagt Michael Schober, der im Verein jedoch eher einer der Jüngeren ist.

Bruno Berger dankte im Namen aller ebenfalls Pfarrer Dieter Johst für die eindrucksvolle Andacht in St. Marien und Bürgermeisterin Uta Barkusky für den Empfang im Rathaus. Auch dies ging auf eine historische Überlieferung zurück. Darin heißt es zum 8. Oktober 1732: Bürgermeister Niethe speist 50 Personen.

Michael Schober weiß inzwischen allerdings auch, dass Spenden für die Salzburger andernorts zweckentfremdet wurden: "Die Dresdner haben damit zum Teil ihre Frauenkirche finanziert." In der aktuellen Ausgabe des vierteljährlichen Vereinsblatts "Der Salzburger" sei zu dem Thema ein weiterführender Beitrag zu finden. Auf eine eigene Nachfrage zur Familiengeschichte in einer früheren Ausgabe hat Michael Schober inzwischen erste Antworten erhalten. Und mit seiner Frau denkt er auch darüber nach, sich im nächsten Frühjahr mal intensiver im Salzburger Land umzuschauen.

Bild: Blick ins Salzburgische (c) literelle

300 Jahre Familiengeschichte in alter Bibel


Glück muss man haben! Da gibt es eine Familienbibel aus dem Jahr 1684 mit handschriftlichen Einträgen aus der Familienchronik bis ins Jahr 2007. Die Sätze berichten von Kindern, Eheschließungen, Sterbefällen. Aber auch von anderen Ereignissen, die die Familie prägten. Verwandtschaftliche Zusammenhänge und Chronologie fließen ineinander.
Zwei Forscher aus dem Bereich Genealogie analysieren dieses Buch. Dr. Bettina Joergens und ihr Kollege Niebuhr aus dem Landesarchiv Detmold setzen sich seit Jahren dafür ein, dass die Genealogen nicht nur an den Stammbaum denken, sondern mit anderen Fragestellungen auf ihr Material schauen. Denn Quellen wie die Familienbibel hüten mehr als nur die Namen, sie können auch zu neuen geschichtlichen Zusammenhängen und Entdeckungen über den sozialen Alltag der Menschen früherer Generationen führen.

Mit solchen Fragen zu Biographie und Alltagsgeschichte sowie mit vielen methodischen Themen beschäftigt sich der von Bettina Joergens herausgegebene Band "Biographie, Genealogie und Archive gemeinsam im digitalen Zeitalter". Er umfasst Beiträge zu den "Detmolder Sommergesprächen" der Jahre 2006 und 2007, die ein Forum zum Austausch für die Produzenten von Archivgut, Archivare und Archiv-Nutzer darstellen. Zum Artikel

Familienbibeln

20-jährige findet kostbaren Kunstschatz - die Bilder ihrer Tante

Im Zentrum des Dadaismus, der Künstlergruppe um Max Ernst bewegt sich auch Angelika Hoerle, eine hochbegabte Künstlerin. Deutsche Welle schreibt dazu:
"1923 stirbt Angelika Hoerle mit gerade 24 Jahren in Köln. Ihr Bruder, Willy Fick, bringt ihre Bilder in den 30er Jahren vor den Nazis in Sicherheit. Diese stellen Werke von Max Ernst und Heinrich Hoerle als 'entartete Kunst' in München aus. Fick versteckt die Bilder seiner Schwester in einer Gartenhütte in Köln und will damit vergessen, was geschehen ist. Mitte der 60er Jahre erkrankt er schwer und nimmt Kontakt mit seinen einzigen Verwandten auf: Der Familie Eggert in Kanada. Fick entschließt sich, dorthin auszuwandern und nicht mehr zurückzukehren. Beim Umzug soll ihm die Tochter der Eggerts helfen: die 20-jährige Angelika. Als sie 1967 nach Köln kommt, entdeckt sie nicht nur ihre eigene Familien-Geschichte, sondern auch die kostbaren Bilder ihrer Großtante. So rettet die junge Frau einen kleinen, aber bedeutsamen Teil deutscher Kunstgeschichte für die Nachwelt."
(c) Bild übernommen von Deutsche Welle s. Link oben

Architekt aus Gerlingen entdeckt spannenden Ahnen

Angefangen hat es mit Franks Bremer Patenonkel. Irgendwie gehörte der schon immer zur Familie. Aber Folker Frank, Architekt aus Gerlingen, wusste nicht wie. Er fragte seine Mutter. Die alte Dame, damals schon über 90 Jahre alt, begann zu erzählen, von Onkeln, Großonkeln und noch entfernteren Verwandten. Plötzlich wurde sich Frank bewusst, dass auch er ein Teilchen im ewigen Ablauf der Generationen war, dass all diese Menschen, selbst wenn sie schon lange tot waren, mit ihm zu tun hatten. "Das hat mich fasziniert", sagt Frank. Auf der Suche nach den Spuren seiner Vorfahren begann er, auf dem Speicher in alten Kartons zu wühlen, vergilbte Fotos zu sortieren und in Archiven verstaubte Akten zu wälzen.
Der Ahne, den er entdeckte, war kein Geringerer, als der Afrikaforscher Theodor Heuglin.

Die Ahnenforschung, so hat es der österreichische Dichter Adalbert Stifter einmal ausgedrückt, sei nicht minder wert als die große Geschichtsschreibung, "in welcher man die Liebe ausgelassen und das Blutvergießen aufgezeichnet hat". Das hat auch Frank festgestellt. Bei seiner Recherche, die ihn bis ins 40. und 50. Glied zurückführte, stieß er auf etliche historische Größen. Namen wie Osiander, Pfeffenhäuser oder Boehringer finden sich im weitverzweigten Stammbaum. Gustav Schwab, Wilhelm von Breitling und Justinus Kerner gehören zur Verwandschaft.
Mehr dazu in der Stuttgarter Zeitung

Ahnenforschung und Internet


Genealogie bekommt durch das Internet buchstäblich Flügel. Das Internet ermöglicht Ahnenforschern nicht nur den raschen Zugang zu Aktenmaterial, sondern auch den fruchtbaren gegenseitigen Austausch über gewonnene Erkenntnisse.
Wie ein Virus soll sich das Interesse an Ahnenforschung verbreiten und das Internet hat seinen großen Anteil daran. Vor allem junge Menschen haben viele Fragen zur Vergangenheit ihrer Familie, auch wenn nur wenige Jugendliche tatsächlich zu forschen beginnen. Erst in späteren Jahren entwickelt sich das latente Interesse zur Tätigkeit und glücklicherweise gibt es mittlerweile eine Menge Computerprogramme, die dem Forscher beim Sammeln und Ordnen des Materials behilflich sind.

Artikel dazu auf www.tacheles.ch
Für Einsteiger (aber nicht nur) ideal: kostenlose Genealogie Software für Windows
http://www.ahnenblatt.de/
Zu Recht nominiert in der Kategorie "Freeware" unter den Top 10 als Software des Jahres 2009!

(c) Bild: http://www.literelle.com/

Zum Weltruhm mit einer Familienbiografie

Gratulation Frederic Morton!

Heute feiert einer der großen Autoren österreichischer Exilliteratur seinen 85. Geburtstag. Frederic Morton wurde als Fritz Mandelbaum in Wien geboren und floh vor dem Nationalsozialismus in die USA.
1962 erreichte er den Durchbruch mit einer Rothschild-Biografie, die 32 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand. 2002 wurde sein Roman "Ewigkeitsgasse" in Wien im Rahmen der Aktion "Eine Stadt - ein Buch"als Gratisbuch verteilt. Die Ewigkeitsgasse verbindet den Hernalser Gürtel mit dem Wiener Yppenplatz - als Thelemangasse ist sie im Stadtplan verzeichnet. Dort ist Fritz Mandelbaum am 5. Oktober 1924 zur Welt gekommen. Er setzte ihr und dem jüdischen Leben im Wien der 20-er Jahre damit ein Denkmal.

Ein unglaubliches Leben

15 Jahre alt war der Sohn eines jüdischen Eisenwarenhändlers, als er 1939 vor den Nazis fliehen musste. London war eine erste Zwischenstation. In den USA hat Frederic Morton dann als Bäcker gearbeitet und später Literaturwissenschaft studiert. 1947 erschien sein erster Roman mit dem Titel "The Hount". 15 Jahre später kam der Durchbruch mit "The Rothschilds", ein Buch über die berühmte Dynastie, das in 23 Sprachen übersetzt eine weltweilte Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren erreichte und seinen Ruf als penibel recherchierender Autor begründete, der darüber hinaus auch facettenreich und anschaulich zu erzählen weiß - in englischer Sprache wohlgemerkt.
Die Flucht aus Wien und die Sehnsucht nach Wien spielen im literarischen Werk des Frederic Morton eine zentrale Rolle. In Büchern wie "Wetterleuchten", "Ein letzter Walzer" und eben "Ewigkeitsgasse" kehrt er thematisch immer wieder nach Wien zurück. Als Wiener in New York als New Yoker in Wien lebt er - wie er sagt - zwischen den Welten.
Und wir besitzen auch eine Autobiografie, die von Andrea Eckert verfilmt wurde: "Durch die Welt nach Hause" Sie hat den Autor begleitet und ist mit ihm in die Telemangasse im 17. Wiener Gemeindebezirk zurückgekehrt. Am 25. Oktober hat der Film bei der Viennale Premiere.